Wir beschäftigen uns seit 2006 mit den Themen Exil und Migration in Marseille und führten unter Leitung von Sabine Günther im Jahre 2005 erste deutsch-französische Schreibwerkstätten und 2006 eine erste Studienreise für deutsche Erwachsenenbildner durch.


Im Sommer 2007 weihten deutsche und französische Jugendliche in Marseille das von Passage & Co. initiierte multidisziplinäre Erinnerungsprojekt EXILPLAN mit einer Strassenaktion auf dem Cours Belsunce ein. Das Happening wurde gefilmt und die einzelnen Recherche-Etappen und Kreationen im Workshop fotografisch dokumentiert.

EXILPLAN CHRONIK

2007 - 2013

Im Oktober 2009 führten wir in Marseille im Rahmen unseres zusammen mit La Ménagerie in Berlin initiierten und von der Robert Bosch Stiftung geförderten deutsch-französischen Theaterprojekts Entre 2 chaises / Zwischen 2 Stühlen eine Theaterschreibwerkstatt durch. 6 gerade in Marseille angekommene Jugendliche und 7 deutsche Jugendliche mit multikulturellem Hintergrund schrieben gemeinsam Texte über ihre zwischen-kulturellen Erfahrungen. Daraus ging der Theatertext Entre 2 chaises von Marine Vassort und ein Video hervor. Wir veröffentlichten den Theatertext zuerst als Ebook, dann auch im Printformat. Das Buch kann bei uns bestellt werden >>>. Im Juni 2010 erlebte unser Theatertext Entre 2 chaises in Berlin in der Inszenierung von La Ménagerie seine Uraufführung im Centre Français de Berlin. Die Premiere war für uns ein willkommener Anlass, nach Berlin zu reisen.

Das Projekt wurde im Frühjahr 2008 in Marseille fortgesetzt. Im Mittelpunkt des fünftägigen Workshops, an dem über 20 deutsche und französische Jugendliche (SchülerInnen und StudentInnen) und junge KünstlerInnen teilnahmen, stand die Realisierung mehrerer Strassenaktionen, die in ephemere Strassenumbennungen mündeten. Weiterhin entstanden Fotodokumentationen, eine Videoinstallation (Gesa Matthies), Fotoinstallationen (Paula Bonneaud), ein Objektbuch (Catherine Ricoul), eine imaginäre Marseille-Karte (Gruppenarbeit), ein Kartenspiel (Hamburger TeilnehmerInnen), ein Exil-Koffer (Gruppenarbeit) und zahlreiche Texte.

Im Februar 2009 ging es mit dem EXILPLAN-Projekt nach Berlin (Tagesprotokolle auf dem Blog) zum ersten deutsch-französischen EXILPLAN-Workshop des Jahres. Neben zahlreichen Begegnungen der französischen Jugendlichen mit ihren Berliner Korrespondenten des Werner-von-Siemens-Gymnasiums, der Leibnizschule und anderer Gymnasien stand die gemeinsame kreative Auseinandersetzung mit den Themen Exil, Aus- und Einwanderung, Leben in der Fremde im Vordergrund. Das Berliner Programm begann in der Königin-Luise-Stiftung mit der öffentlichen Werkschau des vorjährigen EXILPLAN-Projekts.

Das Berliner EXILPLAN-Programm war reich an Begegnungen und Aktionen, wie die Diashow zeigt. Es wurden unter anderem die Spuren des französischen Einwanderers und deutschsprachigen Dichters Adelbert von Chamisso, der Revolutionäre Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, der Kreuzberger Jugend- und Kulturszene, der Mauer und der Stolpersteine gesichert. Es gab eine Strassenaktion im Monbijoupark und es wurde eine imaginäre Karte von Kreuzberg hergestellt. Die WorkshopteilnehmerInnen interviewten Christiane Trümper-Portella in der Revaler Strasse vor ihrem Stolperstein für Otto Oldenburg. Im französischen Berlinmagazin Berlin Poche erschien im April unser Artikel über die Stolpersteine. Wir haben Feedbacks über die Berlinreise gesammelt.

Im Juli 2009 nahmen deutsche und französische Jugendliche in Marseille an einem Exilplan-Workshop teil, in dem es ums Fotografieren der letzten noch vorhandenen Einwandererhotels im Belsunce-Viertel (Fotowerkstatt mit Michèle Sainte-Beuve), ums literarische Porträtieren (Schreibwerkstatt mit Marine Vassort) und ums Fotografieren von Graffitis und Pochoirs um den Cours Julien herum ging (Animation und Textbeiträge von Antonella Fiori und Valérie Mitard). Am letzten Tag des Workshops diskutierten wir mit Jessica Cohen (damalige Koordinatorin der Stolpersteinverlegungen in Frankreich) über unser Projekt einer Stolpersteinverlegung in Marseille und führten am Bahnhof Saint Charles ein Happening mit Pochoirs berühmter Exilanten und selbstgebastelten Bild/Texttafeln durch, die wir anschliessend als "Sandwichmen" durch die Innenstadt trugen. Weitere Highlights der Workshopwoche waren der Besuch der Ausstellung von Julien Blaine im MAC, die uns vom Künstler persönlich gezeigt und kommentiert wurde. Fotogalerie >>>

In Sanary-sur-Mer machten wir unter Anleitung von Rebecca Dovergne und Benedikt Frantz eine gefilmte und fotografierte Schnitzeljagd zu den Häusern der Exilschriftsteller. Im Anschluss an diesen EXILPLAN-Workshop schrieb die Gruppenbegleiterin Susanne Strohfahrt, Lehrerin am Waldörfer Gymnasium in Hamburg, einen Bericht für die Schulzeitung. In der Tageszeitung La Marseillaise erschien ein Artikel über das Exilplan-Projekt.

EXILPLAN 2010 begann im Februar in Marseille mit einem europäischen Grundtvig-Seminar zum Thema Künstlerische Bearbeitung des Exilthemas. Auf Einladung von Passage & Co. nahmen 14 Erwachsene aus 6 europäischen Ländern am einwöchigen Workshop mit Stadterkundungen, Foto- unmd Filmrecherchen, Strassenaktionen und drei Publikumsveranstaltungen teil. Das Programm und die Kurzbiographien aller TeilnehmerInnen und Vortragenden wurden in einem zweisprachigen Programm-Katalog zusammengestellt. Aus Tonaufnahmen während der Seminarwoche entstand ein Hörstück. Neben einem Ausflug nach Sanary-sur-Mer stand auch der Besuch des ehemaligen Internierungslagers in Les Milles auf dem Programm, bei dem ein Radio-Feature über die Maler von Les Milles von Sabine Günther vorgestellt wurde.

Im Juli 2010 nahmen 20 junge Deutsche und Franzosen an einem Exilplan-Workshop in Marseille teil, in dem wir neue kreative Bereiche erkundeten: Fotos mit Textkommentaren versehen, imaginäre Karten anfertigen, eine Video-Reportage in Sanary-sur-Mer drehen, ein Video zur Tagesbilanz des ersten Workshoptags in Marseille herstellen, die Dichterin Marine Vassort interviewen und schliesslich im Panierviertel eine bis dato in Frankreich noch nicht dagewesene Stolperstein-Aktion durchführen. Der Berliner Fotograf und Performer Marc Seestaedt stellte seine Arbeit vor.

Im Juli und September 2011 wurden Exilplan-Workshops in Zusammenarbeit mit dem Waldörfer Gymnasium Hamburg und der Beethoven Schule Berlin organisiert. Höhepunkte des Juli-Workshops waren das Atelier mit der Tänzerin Fleur Duverney-Prêt und ein Fotoworkshop mit Lochkameras unter Leitung der Fotografin und Filmemacherin Pilar Arcilar. Der Juli-Workshop endete mit einer Strassenaktion auf dem Cours Belsunce.

Im Juli 2012 lud Passage & Co. eine Studentengruppe des Fachbereichs Europäische Ethnologie an der Humboldt Universität Berlin zu einem Exilplan-Workshop nach Marseille ein, bei dem soziologische und kulturtheoretische Fragen im Vordergrund standen. Auf französischer Seite trafen die Berliner StudentInnen auf StudentInnen des deutsch-französischen Masterstudiengangs Interkulturelle Studien an der Universität Aix-Marseille.

Die Berliner StudentInnen stellten ihre Projekte zur Berliner Route der Migration vor .pdf. Im Gegenzug hielten die Studentinnen aus Aix-en-Provence Vorträge über Marseille, das Belsunce-Viertel und die französische Migrationspolitik. Begegnungen und runde Tische fanden mit Ulrich Fuchs, dem ehemaligen künstlerischen Direktor der Europäischen Kulturhauptstadt Marseille-Provence, Damien Taillard von Phocéephone, der Soziologin Laurence Américi, Karl Heinz Götze, dem Studienleiter des Fachbereichs Germanistik an der Universität Aix-Marseille und der Fotografin Maude Grübel statt. Nach dem Besuch der Ausstellung von Jacques Villeglé im MAC wurden Collagen hergestellt. Die Recherchen und Texte zum Workshop wurden in einem eBook zusammengefasst und können hier gelesen werden >>>

Im Februar 2013 kamen 10 Erwachsene aus 5 europäischen Ländern erneut zu einem von Passage & Co. ausgerichteten EU-Workshop zum Thema: Künstlerische Bearbeitung des Exilthemas nach Marseille. Der Programmkatalog wurde in deutscher und französischer Sprache bereitgestellt. Die KünstlerInnen unter den WorkshopteilnehmerInnen stellten in den beiden öffentlichen Veranstaltungen im Espace Culture auf der Canebière ihre Filme und literarischen Texte vor. Der italienische Filmemacher Fredo Valla zeigte seinen Spielfilm Il vento fa il suo giro.  In den verschiedenen Ateliers entstanden unter anderem eine Filmreportage über das Exil in Sanary-sur-Mer (Regie: Maelys Meyer und Stéphanie Clopin), eine grosse imaginäre Karte des Panier-Viertels (Werkstattanimation: Elise Olmedo) und die Übersetzung des Prosatextes Exil ist ein Zustand von Christine Pfammatter. Im Anschluss an das Grundtvig-Seminar erschien in der Revue Dazibao ein Artikel über Passage & Co.

Von Oktober bis Dezember 2013 arbeiteten Sabine Günther (Konzeption, Textkommentare), Oliver Schmoi (Grafiker) und Sarah Raquillet (Übersetzerin) am deutsch-französischen eBook Exil-Parcours in 10 Etappen, das nicht nur den Rundgang auf den Spuren der Exilanten in den Jahren 1940-42 in Marseille und einen Materialteil mit u.a. über 30 Biografien enthält, sondern es dokumentiert auch das Exilplan-Projekt, das von Passage & Co. 2006 in Marseille initiiert wurde.

Im Rahmen des europäischen Kulturhauptstadtjahres führte Sabine Günther zahlreiche Rundgänge auf den Spuren der Exilanten in Marseille durch.

Die Reise. Bericht von Jawad. Im Rahmen der Fotoausstellung Les migrants von Mathieu Pernot im Atelier De Visu


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